
WORK IN SPOTLIGHT: JEANNE D'ARC BY OTTO M. SCHWARZ
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Jeanne D'Arc
Grad 2 · 7:00 min
Frankreich zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Seit Jahrzehnten herrscht Krieg. Englische und französische Truppen kämpfen um Gebiete und Macht, Städte fallen, Bündnisse zerbrechen, der französische Thron ist umkämpft. Inmitten dieser zerrissenen Welt wächst in einem kleinen Dorf im Nordosten Frankreichs ein Mädchen auf, dessen Name Jahrhunderte später noch immer bekannt sein wird.
Jeanne d’Arc stammt aus Domrémy, aus einfachen Verhältnissen. Zunächst deutet wenig darauf hin, welche Rolle sie einmal spielen wird. Doch bereits als Jugendliche berichtet Jeanne von Visionen und himmlischen Stimmen. Sie ist überzeugt, einen Auftrag erhalten zu haben: Frankreich im Hundertjährigen Krieg beizustehen, Orléans zu befreien und Karl VII. zur Krönung nach Reims zu führen.
Eine unglaubliche Vorstellung für ein junges Mädchen aus einer Bauernfamilie. Und doch gelingt ihr, was kaum vorstellbar scheint. Jeanne erhält Zugang zum französischen Hof und überzeugt schließlich den späteren König von ihrer Mission. 1429 zieht sie mit französischen Truppen nach Orléans.
Die Stadt ist von den Engländern belagert und zu einem Symbol für die scheinbar aussichtslose Lage Frankreichs geworden. Jeanne wird innerhalb kürzester Zeit zur Hoffnungsträgerin. Sie reitet an der Spitze der Truppen, wird im Kampf verwundet und kehrt dennoch zurück. Wenige Tage später ziehen sich die Engländer zurück. Der Sieg von Orléans verändert alles.
Der Weg nach Reims wird frei, Karl VII. wird gekrönt und die junge Frau aus Domrémy steht plötzlich im Zentrum der französischen Geschichte. Aus ihren Visionen ist politische Wirklichkeit geworden. Doch ihr Aufstieg ist ebenso außergewöhnlich wie kurz.
Politische Interessen verschieben sich, militärische Unternehmungen scheitern und Jeannes Einfluss beginnt zu schwinden. 1430 gerät sie bei Compiègne in Gefangenschaft. Sie wird an die Engländer ausgeliefert und in Rouen vor ein kirchliches Gericht gestellt. Der Prozess zieht sich über Monate. Jeanne wird verhört, unter Druck gesetzt und schließlich der Häresie schuldig gesprochen. Am 30. Mai 1431 wird sie auf dem Alten Markt von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie ist neunzehn Jahre alt.
Genau diese außergewöhnliche Lebensgeschichte bildet die Grundlage von Jeanne d’Arc von Otto M. Schwarz. In etwas mehr als sieben Minuten verdichtet der österreichische Komponist Kindheit, Visionen, Entschlossenheit, Kampf, Triumph und schließlich den dramatischen Fall der jungen Französin zu einer musikalischen Erzählung.
Schwarz folgt dabei den entscheidenden Stationen ihres Lebens, ohne daraus eine bloße historische Chronik zu machen. Seine Musik richtet den Blick immer wieder auf den Menschen hinter der Legende. Auf das junge Mädchen, das eine Stimme hört. Auf die Entschlossenheit, dieser Überzeugung zu folgen. Auf den Mut, trotz einer Verwundung weiterzukämpfen. Und schließlich auf die Tragik eines Lebens, das innerhalb weniger Jahre eine kaum vorstellbare Wendung nimmt.
Die Musik verändert sich mit dieser Geschichte. Aus der zunächst beinahe fernen Szenerie wächst Bewegung, aus der Vision wird Entschlossenheit, aus ihr schließlich die Kraft des Kampfes. Große orchestrale Momente stehen neben ruhigeren Passagen und dunkleren Farben, wenn sich Jeannes Schicksal wendet. Typisch für Otto M. Schwarz entsteht die Spannung dabei aus einer präzise aufgebauten musikalischen Dramaturgie.
Doch auch das Werk endet nicht am Scheiterhaufen. 25 Jahre nach Jeannes Tod wird ihr Prozess erneut untersucht. 1456 hebt die Kirche das Urteil auf und erklärt sie für unschuldig. Fast fünf Jahrhunderte später wird sie zunächst seliggesprochen und 1920 schließlich von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.
Aus einem Mädchen aus einem kleinen französischen Dorf ist endgültig eine der großen Figuren der europäischen Geschichte geworden. Schwarz nimmt auch diesen letzten Wandel in seine Komposition auf. Nach Anklage, Urteil und Hinrichtung richtet sich der Blick noch einmal nach vorne: auf Rehabilitation, Erinnerung und schließlich jene Legende, die Jeanne d’Arc bis heute umgibt.
Vielleicht erinnert uns ihre Geschichte auch heute daran, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann, wenn er den Mut hat, für seine Überzeugungen einzustehen.