
Odyssey – Myths & Legends
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Troja (Troy)
Grad 2 · 6:51 min
Am Horizont brennt eine Stadt. Über den Mauern liegt Rauch, die Tore stehen offen, in den Straßen herrscht Chaos. Zehn Jahre lang hatte Troja den Griechen standgehalten. Nun fällt eine der mächtigsten Städte der antiken Sagenwelt innerhalb einer einzigen Nacht.
Zehn Jahre lang stehen die Griechen vor den Mauern Trojas. Zehn Jahre lang treffen Schwert auf Schwert, Speere durchschneiden die Luft, Streitwagen jagen über die staubige Ebene zwischen Stadt und Meer. Am Strand liegen die schwarzen Schiffe der Griechen, dahinter erstreckt sich ihr Lager. Vor ihnen ragen die Mauern Trojas auf, mächtig und scheinbar uneinnehmbar.
Es ist die Welt der großen Helden. Achilles, gefürchtet wie kein anderer Krieger, kämpft auf Seiten der Griechen. Hektor, Prinz von Troja, verteidigt seine Stadt. Könige führen ihre Männer in die Schlacht, Schilde bersten unter den Schlägen der Waffen, und immer neue Kämpfer fallen auf der Ebene vor den Toren. Selbst als Achilles Hektor im Zweikampf besiegt, ist der Krieg nicht entschieden. Troja steht noch immer.
Alles begann mit Helena: Die Frau des spartanischen Königs Menelaos war mit dem trojanischen Prinzen Paris nach Troja gekommen. Was als Geschichte von Liebe, Begehren und Verrat begann, hatte Könige und Heere über das Meer gerufen. Nun waren zehn Jahre vergangen, und längst ging es um mehr als eine Frau. Es ging um Ehre, Macht und darum, welche Seite diesen Krieg überleben würde.
Die List des Odysseus: Doch es soll alles anders kommen...
Eines Morgens herrscht vor den Mauern eine unheimliche Stille. Das griechische Lager ist verlassen, die Feuer sind erloschen, die Schiffe vom Horizont verschwunden. Wo am Tag zuvor noch ein Heer stand, befindet sich nur noch ein gewaltiges Pferd aus Holz. Für die Trojaner scheint die Bedeutung eindeutig: Die Griechen haben aufgegeben. Nach zehn Jahren ist der Krieg endlich vorbei.
Die Tore, die so lange jedem Angriff standgehalten haben, öffnen sich. Das Pferd wird in die Stadt gezogen. Zwischen Tempeln und Palästen feiern die Menschen ihren Sieg, Wein fließt, Waffen werden abgelegt. Niemand ahnt, dass sich im Inneren des hölzernen Pferdes jene Männer verbergen, die Troja in all den Jahren nicht hinter seine Mauern lassen konnte.
In der Nacht verstummen die Feiern. Die Feuer brennen nieder, und über der Stadt liegt Dunkelheit. Dann öffnet sich das Pferd. Bewaffnete Männer steigen heraus, Schwerter in den Händen. Lautlos bewegen sie sich durch die Straßen bis zu den Toren und öffnen sie von innen. Die griechischen Schiffe sind längst zurückgekehrt.
Was zehn Jahre lang unmöglich schien, geschieht innerhalb einer einzigen Nacht. Das Heer dringt in Troja ein, Kämpfe brechen in den Straßen aus, Feuer greifen auf Häuser und Paläste über. Die Stadt, die jedem Sturmangriff widerstanden hatte, wird durch eine List zu Fall gebracht. Als der Morgen über der Ebene anbricht, steigt Rauch über den Mauern auf.
Diese gewaltige Sagenwelt steht hinter Troja von Otto M. Schwarz. In seiner Musik begegnen uns nicht nur Schlachten und Helden, sondern die ganze Dramaturgie eines Mythos: die Größe einer scheinbar unbezwingbaren Stadt, die Gewalt des Krieges, der trügerische Moment des Sieges und schließlich die Nacht, in der sich das Schicksal Trojas entscheidet. Wie in vielen seiner programmatischen Werke denkt Schwarz in Szenen und starken musikalischen Bildern. Das Blasorchester wird zum Erzähler einer Geschichte, die seit Jahrtausenden weitergegeben wird.
Und doch ist der Fall Trojas nur das Ende der ersten Geschichte. Während hinter den Mauern noch die Feuer brennen, ziehen die Griechen ihre Schiffe wieder ins Meer. Auch Odysseus macht sich auf den Weg. Nach zehn Jahren Krieg will er nur noch zurück nach Ithaka, zu seiner Familie und in seine Heimat.
Vor ihm liegt das offene Meer.
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Ouverture - Aiolos - God of the Wind
Grad 4 · 3:15 min
Troja liegt hinter ihm. Vor Odysseus erstreckt sich das offene Meer. Irgendwo jenseits des Horizonts wartet Ithaka, seine Heimat, doch der Weg dorthin führt durch eine Welt, in der die Kräfte der Natur den Göttern gehören. Das Meer kann sich innerhalb weniger Augenblicke gegen einen Seefahrer wenden, Stürme treiben Schiffe weit von ihrem Kurs ab, und über allem steht eine Macht, die man weder sehen noch festhalten kann: der Wind.
Über diese Winde herrscht Aiolos. In der griechischen Mythologie ist er ihr Hüter, ein Herrscher über jene Kräfte, die Segel füllen, Wellen auftürmen und Schiffe über das Meer tragen oder an fremde Küsten treiben können. Als Odysseus auf seiner langen Heimreise die Insel des Aiolos erreicht, wird er freundlich aufgenommen. Einen Monat lang erzählt er von Troja, vom Krieg und von seiner Sehnsucht nach Ithaka. Schließlich beschließt Aiolos, ihm zu helfen.
Für die Weiterfahrt gibt er Odysseus ein außergewöhnliches Geschenk. Die gefährlichen Winde werden in einem Beutel aus Tierhaut gebunden und fest verschlossen. Nur der Westwind bleibt frei. Er soll die Segel füllen und das Schiff sicher über das Meer nach Ithaka tragen. Solange die anderen Winde gefangen bleiben, scheint der Weg nach Hause endlich offen.
Neun Tage und neun Nächte segeln Odysseus und seine Männer. Der Wind steht günstig, das Schiff hält seinen Kurs, und schließlich erscheint am Horizont die Küste Ithakas. Die Heimat ist so nahe, dass bereits die Feuer an Land zu erkennen sind. Nach Krieg, Irrfahrt und zahllosen Gefahren scheint die Reise beinahe vorüber.
Doch Odysseus ist erschöpft und schläft ein.
Seine Gefährten beginnen währenddessen zu zweifeln. Seit Tagen liegt der verschlossene Beutel des Aiolos an Bord. Sie wissen nicht, welche Macht darin gebunden ist. Manche vermuten Gold, andere Silber und kostbare Geschenke, die Odysseus für sich behalten könnte. Die Versuchung wird schließlich stärker als das Vertrauen in ihren Anführer.
Sie lösen den Verschluss.
Mit einem Schlag brechen die gefangenen Winde hervor. Die Segel schlagen, das Meer bäumt sich auf, Wellen treffen gegen den Rumpf. Aus der ruhigen Heimfahrt wird ein Kampf gegen eine Macht, die niemand an Bord beherrschen kann. Das Schiff wird vom Kurs gerissen und hinaus auf das offene Meer getrieben. Als Odysseus erwacht, entfernt sich Ithaka bereits wieder am Horizont.
Gerade diese gewaltige Vorstellung steht hinter Aiolos – God of the Wind von Peter Knockaert. Ein Herrscher, der die Winde bändigen und entfesseln kann, eine Reise über ein unberechenbares Meer und die unsichtbare Kraft der Luft bieten einen Stoff, der wie geschaffen für ein Blasorchester scheint. Atem setzt den Klang in Bewegung, Holz und Blech lassen Luft zu Ton werden, und aus vielen einzelnen Stimmen entsteht eine Kraft, die ein ganzes Ensemble erfassen kann.
Aiolos ist damit mehr als eine weitere Gestalt auf Odysseus’ Weg. Seine Episode erzählt von einem Augenblick, in dem die lange Irrfahrt beinahe zu Ende gewesen wäre. Ithaka lag bereits vor den Männern, die Feuer der Heimat waren sichtbar. Doch Neugier, Misstrauen und eine einzige Entscheidung genügten, um alles wieder zu verändern.
Der Wind dreht.
Die Küste verschwindet.
Und die Odyssee geht weiter.

